Stadtarchiv Wiesbaden übernimmt umfangreichen Vorlass des Theaterintendanten Manfred Beilharz

Stadtarchiv Wiesbaden übernimmt umfangreichen Vorlass des Theaterintendanten Manfred Beilharz
Stadtarchiv Wiesbaden übernimmt umfangreichen Vorlass des Theaterintendanten Manfred Beilharz | Bild: Stadt Wiesbaden

Der Theatermacher Manfred Beilharz hat seinen beruflichen Vorlass der Landeshauptstadt Wiesbaden übergeben. Am 22. Januar unterschrieb Beilharz den Schenkungsvertrag im Kulturdezernat; Kulturdezernent und Stadtkämmerer Dr. Hendrik Schmehl nahm die Übergabe für das Stadtarchiv entgegen. Mehr als dreißig Kisten mit Dokumenten, Programmen und Fotos sollen künftig im Stadtarchiv verwahrt und erschlossen werden.

Übergabe und Bedeutung für das Stadtarchiv

Die Vereinbarung zur Übernahme des Vorlasses wurde im Beisein von Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg unterzeichnet. Schmehl erklärte, man sei sehr dankbar, dass Beilharz das Stadtarchiv für die dauerhafte Aufbewahrung seines Materials ausgewählt habe. Quadflieg betonte den wertvollen historischen Beitrag des Bestandes, der nicht nur die Intendanz in Wiesbaden, sondern die internationale Dimension einer langen Theaterkarriere abbildet.

Erste Gespräche zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv hatten 2019 begonnen. Die Unterlagen sollen vom Wohnsitz des 87 Jahre alten Vorlassgebers abgeholt und anschließend gesichtet und erschlossen werden, damit sie künftig für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sind.

Stationen einer langen Theaterlaufbahn

Manfred Beilharz blickt auf mehr als fünfzig Jahre im Theaterbetrieb zurück. Geboren in Böblingen, studierte er Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft und promovierte im Bereich Theater- und Urheberrecht. Seine beruflichen Stationen führten ihn von den Kammerspielen in München ins Ruhrgebiet, nach Tübingen, Freiburg, Kassel, Bonn und schließlich nach Wiesbaden. In Bonn war er lange Generalintendant und von 2002 bis 2008 Weltpräsident des Internationalen Theaterinstituts der Unesco; heute ist er dessen Ehrenpräsident.

In Wiesbaden prägte Beilharz mehr als ein Jahrzehnt das Hessische Staatstheater und setzte dort international ausgerichtete Festivalformate fort, die er unter anderem zusammen mit Tankred Dorst in Bonn initiiert hatte. Er gründete oder leitete mehrere Festivals, darunter das Theaterfestival Freiburg, Spielräume zur documenta 8 und das Festival Theater im Aufbruch mit Produktionen aus der Sowjetunion nach Perestrojka und Glasnost.

Bestand und besondere Objekte

Zum Vorlass gehören Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungszeichnungen, Briefe, Korrespondenzen und Presseauschnitte. Quadflieg hob hervor, dass gerade die Vielfalt der Schriftstücke und Bilddokumente den Wert des Bestandes ausmache. Zahlreiche Dokumente belegen Gastspiele und Festivalaktivitäten in Europa, China und darüber hinaus.

Bei der Vertragsunterzeichnung zeigte Beilharz ein persönliches Erinnerungsstück: ein Schofar, ein traditionelles israelisches Blasinstrument aus Antilopenhorn. Das Instrument hatte ihm Hanna Munitz, damals Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, als Dank für eine enge Zusammenarbeit überreicht. Beilharz erinnerte an eine erfolgreiche Inszenierung in Tel Aviv mit der Oper Wozzeck, die 2005 dort 14 Mal gespielt wurde und die von einer Delegation aus Deutschland begleitet wurde.

Zum Abschluss der kleinen Zeremonie äußerte Beilharz einen politisch gefärbten Wunsch. Er verwies auf veränderte Verhältnisse in Russland, Europa und Israel und sagte, es sei an der Zeit, die Uhr zurückzudrehen und einen Neuanfang zu wagen. Solche historischen und künstlerischen Kontexte lassen sich nun anhand des Vorlasses im Stadtarchiv weiter erforschen.

Für seine Verdienste wurde Beilharz mit mehreren Auszeichnungen geehrt, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goethe Plakette und der Hessische Verdienstorden. Die Materialien im Stadtarchiv sollen diese Wirkungswege künftig dokumentieren.

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